Was mich mein Burnout und meine Depression gelehrt haben

Mitte April 2008 ging ich wegen einer Halsentzündung zum Arzt – und brach dort in Tränen aus, die ich nicht mehr stoppen konnte. Ich war endgültig durch’s Ziel. Ich konnte nicht mehr. Die Diagnose: Burnout und Depression. Das war mein Tiefpunkt – und gleichzeitig der Anfang zu meinem neuen und zufriedeneren Leben.

12 Jahre im Gefängnis

12 Jahre lang war ich Rechtspflegerin (Beamte) in verschiedenen Gerichten gewesen. Schon im Studium merkte ich, dass mir das eigentlich überhaupt nicht liegt, mich auch nicht im Mindesten interessiert, aber man macht ja weiter, was man einmal angefangen hat.

Jetzt war ich schon vier Jahre lang täglich morgens um 5 aufgestanden, um 2 Stunden mit dem Zug zur Arbeit zu pendeln, um dort Aktenmassen zu bearbeiten, die ich für total überflüssig hielt, die aber mehr und mehr und schier unbesiegbar wurden. Um mich von Kollegen und Vorgesetzten anscheißen zu lassen. Und von anrufenden Antragstellern.

Um dann nach 8 Stunden Gefangenschaft – ich saß tatsächlich in einer umgebauten Gefängniszelle – wieder für 2 Stunden erschöpft in den Zug zu steigen, um dann am Abend Zuhause anzukommen, noch schnell ein paar Hausarbeiten zu erledigen, um dann für nur 6 Stunden ins Bett zu fallen. Um dann wieder mitten in der Nacht aufzustehen, um auf den Bahnhof zu tappen …

Weder hatte ich ein Privatleben noch sah ich viel Tageslicht noch hatte ich Energie für irgend etwas. Ich war total ferngesteuert, fremdbestimmt. Die Berufswahl war nicht meine gewesen, den Arbeitsort hatte ich mir nicht ausgesucht, nicht das Fachgebiet und auch nicht, wann ich wo zu sein hatte. Sogar meinen Hormonzyklus bestimmte jemand anders – die Pille.

Diagnose: Burnout und Depression

Meine Ärztin kannte mich schon, schließlich war ich nun schon seit einigen Jahren wegen unerklärlicher rheumatischer Gelenkschmerzen und immer wiederkehrender Infekte bei ihr in Behandlung. Deshalb war sie nicht überrascht, als ich bei ihr zusammen brach. Sie schrieb mich einfach für einige Wochen krank. Dann für einige mehr.

Diagnose: Burnout und Depression.

Ich war 31 Jahre alt.

Mein alles veränderndes Versprechen an mich selbst

Jetzt gab ich mir endlich selbst das Versprechen, mein Leben von grundauf zu verändern. Das Leid war inzwischen zu groß geworden. Das konnte ich nicht länger ignorieren. So wollte ich nicht bis zu meiner Pensionierung in über 30 Jahren weiterleben.

Ich kündigte die Beamtenstelle. (Das war natürlich nicht so leicht, wie sich das hier liest. Aber ich sprach mit meinem Anwalt, und gemeinsam machten wir das.)

Ich zog in die Nähe meiner Schwester und ihrer Kinder, die ich aufwachsen sehen wollte.

Ich suchte mir – bewusst – einen neuen beruflichen Weg mehr in die Richtung, in die ich schon lange wirklich hatte gehen wollen: Künstlerbetreuung.

Die bewusste Entscheidung, die so vieles zum Besseren veränderte

Mit 31 hatte ich endlich angefangen, für mich selbst zu denken, mich bewusst für und gegen Dinge zu entscheiden. Selbst gegen die Meinung anderer. Und gegen meine alten, durch Erziehung verinnerlichten Überzeugungen.

Ich hörte jetzt nur noch auf mein Innerstes:

Ich wollte bei den Kindern sein? Also zog ich um. So einfach war das mit der Entscheidung.

Ich wollte mit Künstlern arbeiten? Also suchte ich nach Stellen, bei denen ich das tun würde: Veranstaltungsorte, Künstleragenturen. So fand ich ein Praktikum in einer Künstleragentur, und durch deren Kontakte und Engagement gründete ich bald meine eigene Agentur.

Ich lebte nun in vielen Bereichen schon viel mehr das Leben, den Alltag, den ich wirklich leben wollte. Ich traf ständig spannende Menschen. Ich konnte auf vielen Veranstaltungen dabei sein und hinter die Kulissen blicken – etwas, das mich immer fasziniert hatte. Ich konnte viel häufiger bei meiner Schwester und meinen kleinen Nichten sein. Und: Ich konnte täglich ausschlafen!

Die Feinjustierung

Diese rund fünf folgenden Jahre waren eine sehr aufregende, beglückende Zeit für mich. Es gab immer noch Dinge, die ich nicht so gerne weitermachen wollte, aber im Grunde war ich sehr zufrieden und mir selbst äußerst dankbar, dass ich diese ersten, mich selbst so wichtig nehmenden Entscheidungen getroffen und umgesetzt hatte.

Was sich allerdings herauskristallisierte war, dass ich viel lieber darüber schrieb und lehrte, was ich selbst erfahren hatte und wie man sich ein eigenes Unternehmen und glückliches Leben aufbaut, als Veranstaltungsorte anzurufen und davon zu überzeugen, dass ich genau die richtigen Künstler für sie hatte.

Wieder berücksichtigte ich schließlich meine wahren Bedürfnisse: Ende 2013 gab ich die eigene Künstleragentur auf, um mich ganz und gar dem zu widmen, was sich als meine wirkliche Berufung, meine Bestimmung, mein Herzensunternehmen herauskristallisiert hatte: ganzichselbst.

Heute bin ich glückliche Autorin und Coach zu genau diesen Themen: Wie man sein Leben selbst in die Hand nimmt, indem man auf seine innersten Bedürfnisse hört und entsprechend Entscheidungen trifft. Ich schreibe Bücher dazu, entwickle Programme und Mailkurse dazu, ich coache Menschen, die das ebenfalls tun wollen.

http://tinyurl.com/gis-masterplan

Burnout und Depression haben mich zu meiner Bestimmung geführt

Ich habe Burnout und Depression als Zeichen genommen, mein Leben von grundauf zu verändern, und ich kann das nur jedem Betroffenen ebenfalls ans Herz legen.

Heute bin ich so gesund und zufrieden wie nie zuvor. Ich habe meine berufliche Bestimmung gefunden, die das Fundament für mein zufriedenes und reiches Leben bildet, das ich jetzt tagtäglich lebe. Ich achte auf mich. Ich lebe genau den Alltag, den ich leben will. Ich bestimme selbst, wie ich leben und arbeiten will. Inzwischen führe ich sogar schon seit 2 Jahren eine sehr glückliche Beziehung.

Ich bin jeden Tag so dankbar, mir selbst 2008 dieses Geschenk gemacht zu haben.


Werkzeuge dazu in der ganzichselbst Lounge:

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Mehr zur ganzichselbst Lounge



Willst du mehr von mir hören? Kann ich dir helfen?

Bevor ich 2008 tatsächlich meine Stelle aufgab, habe ich sehr gründliche Inventur zu meinen eigentlichen Lebensvorstellungen gemacht. Hier sind die 3 Dinge, die ich damals verändert habe, um aus meiner krank machenden Arbeit und Lebensweise heraus zu kommen:

Deine Adresse ist bei mir sicher. Kein Spam.

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ganzichselbst. einfach leben.



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About The Author

Sandra

Sandra, *1976, schreibt auf ihrem Blog über das einfache, selbstbestimmte Leben und Arbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass auch du dir das Leben aufbauen kannst, das du dir erträumst. Und zwar, ohne dich dafür tot zu schuften.

3 Comments

  • Lena Schroeter

    3. September 2014

    Uff. Liebe Sandra, Danke einmal mehr für Deine Offenheit!
    Ich bin echt berührt von Deiner Geschichte, erkenne mich in so vielem wieder … und wie schön, dass wir uns schon so lange auf unseren Wegen begleiten!
    Schön, dass es Dich JETZT – HEUTE – so wie DU bist gibt!
    Mehr will ich gerade garnicht sagen. DANKE!

  • Sandra Hylla

    3. September 2014

    Liebe Lena, ich find's auch sehr schön, dass es dich gibt und dass wir in Verbindung sind. Deine Mails bedeuten mir sehr viel, und ich kann viel von dir lernen.