Wie mein Leben *wirklich* aussieht

Es gibt da was, was ich bisher in all meinen Beiträgen immer verschleiert habe.

Hier werde ich es nun ein für alle Mal aussprechen.

Ja, es ist absolut wahr

  • dass ich täglich ausschlafe
  • dass ich seit 2008 fast ausschließlich glücklich bin (all die schönen Erlebnisse in meinen Freitags Check-ins sind wirklich wahr)
  • dass ich nicht einen Tag bereut habe, meine Beamtenstelle gekündigt zu haben – nie mehr will ich in so ein Hamsterrad, so eine giftige Umgebung zurück!
  • dass ich mir meine Lebensträume wirklich so schnell wie möglich erfülle (Indienreise, ein Café führen, eigener Hund …)
  • dass ich seit 2008 fast nur noch dort bin, wo ich auch sein will
  • dass ich mein Leben so einfach wie möglich eingerichtet habe, mit allem, was ich liebe und will und ohne all das, was ich nicht mehr will
  • dass ich an all das glaube, was ich in meinen Blogposts, Büchern und Kursen sage (dass wir selbst es in die Hand nehmen müssen, dass unser Leben keine Generalprobe ist, dass Vereinfachen und Entrümpeln wirklich glücklicher und reicher macht)
  • dass ich dir mit meinen Erfahrungen helfen kann, deinen eigenen Neuanfang zu wagen
  • dass ich die Arbeit tue, die ich tun will

Ich liebe mein Leben wirklich so, wie es ist. Und genau deshalb will ich es nicht wieder aufgeben. Wozu ich aber gerade gezwungen werden könnte. Denn:

Es ist auch wahr

  • dass ich mit dieser Arbeit immer noch nicht so viel Geld verdiene, dass es zum Leben reicht. Auch wenn mein Leben recht minimalistisch und preisgünstig eingerichtet ist (3er WG, wenig Ausgaben).

 

Die Wahrheit ist

Ich bekomme immer noch aufstockend ALG II. Meine Einnahmen aus Büchern und der Lounge und dem gelegentlichen Webdesign-Auftrag sind einfach noch zu gering und unregelmäßig.

Ja, es dauert seeehr lange – Jahre! -, ein Unternehmen aufzubauen und entsprechende Reichweite zu schaffen. Besonders, wenn man zwischendrin immer mal wieder ausbrennt.

So, jetzt ist es raus. Ich habe mich zu lange geschämt, das offen zu sagen. Habe drum rum geredet. Ich kann noch nicht von ganzichselbst und meiner Herzensarbeit leben.

Aber: Ich glaube immer noch daran, dass ich von meiner Arbeit werde leben können. Wenn ich nur mehr Frauen damit erreiche.

Und vor allem glaube ich immer noch daran, dass die Beamtenstelle, die mich ausgebrannt hat, aufzugeben und sehr gut auf meinen Körper zu hören, was ich ihm zumuten kann, der richtige Weg ist.

Nichts ist für mich schlimmer als die Vorstellung, wieder in so einem Büro eingesperrt zu sein und Arbeit tun zu müssen – tagein, tagaus -, die mir überhaupt nichts bedeutet.

Das ist die Wahrheit. Allein die Vorstellung macht mich krank.

Denn das ist genau das, was mir im Moment wieder passiert:

Das Arbeitsamt will mich zwingen, mich zu bewerben. Auf Stellen als Küchenhilfe (weil ich ein eigenes Café hatte). Auf Bürostellen. In Callcentern. Das wäre der absolute Horror! Keine 2 Tage würde ich dort überleben!

Ich hätte heute ein Vorstellungsgespräch für eine Büroassistenzstelle gehabt, aber ich musste sie absagen. Seit 3 Tagen wusste ich von dem Termin – und seit 3 Tagen habe ich wieder Nackenschmerzen und brennende Schmerzen im Gesicht und in der Brust.

Oh, ich höre im Kopf sarkastische Kommentare, während ich das schreibe: „Och du Arme, wenn ich doch nur deine Probleme hätte.“ „Jammern auf hohem Niveau.“ „So läuft’s im Leben nun mal.“ …

Falls du das gerade sagen wolltest:

Wenn du mal ehrlich bist – magst du denn dein Leben? Deinen Job?

Wenn ja, bist du leider eine der wenigen, die ich bisher kennen gelernt habe.

Oder tust du deine Arbeit nicht nur, weil du das Geld brauchst? Und weil man es eben so macht? Was würden auch deine Eltern, Nachbarn, Schwiegermutter sagen, wenn du nicht arbeiten gehen würdest?!

Die meisten Leute, mit denen ich zu tun habe, schimpfen, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen. Sind erschöpft. Zählen die Tage bis zum Wochenende. Haben Schmerzen.

Aber brüsten sich damit, nicht faul zu sein, sondern tüchtig.

 

Ich KANN einfach nicht mehr so arbeiten, wie so viele andere.

Ich denke nicht, dass wir alle hier besonders gesund und glücklich sind. Wir haben alle unsere Zipperlein. Wohlstandskrankheiten, ja. Aber ist es wirklich normal und von der Natur so gedacht, dass die Männer mit Anfang 50 Herzinfarkte kriegen, die Frauen Migräne und Menstruationskrämpfe, und wir alle 10, 20, 30 Kilo zuviel wiegen?

Wir haben Süchte, mit denen wir von unserem Leben weglaufen wollen. Und wenn es nicht Alkohol und Drogen sind, dann sind es Fernsehshows und der Tratsch über andere, nur damit wir ja nicht auf uns selbst schauen müssen.

Und natürlich die Schmerztabletten. Damit können wir dann schön weiter funktionieren.

Ich habe in den letzten 3 Tagen Ibuprofen genommen. Aber als meine Vorräte alle waren und ich nur noch die extrastarken von der Zahnärztin hier hatte, habe ich mir gesagt:

„So geht das nicht! Das kannst du deinem Körper nicht antun! Du wirst sowieso nie dort arbeiten, oder jedenfalls nicht für lange, weil du jeden Tag trauriger wirst und mehr Schmerzen haben wirst. Wenn du jetzt bei der Vorstellung vom Einstellungsgespräch schon solche Schmerzen hast …“

Mein wertvollstes Gut ist meine Gesundheit. Und die brauche ich noch weitere 40 Jahre.

Ich habe meine ersten 31 Jahre fremdgesteuert, nach den Plänen anderer und daher zum Großteil unglücklich und schließlich auch krank verbracht. Nachwirkungen trage ich immer noch mit mir herum.

 

Mit 20 konnte ich mich verstellen, aber mit 42 kann ich das einfach nicht mehr

Ich habe es heute nicht über mich gebracht, mich zu verkleiden, meine Schmerzen zu ignorieren und zu diesem Termin zu gehen. Ich hatte mir noch gedacht, dann opfere ich eben diese 1 Stunde. Nicht hinzugehen würde noch mehr Ärger, Aufwand und nur eine Terminsverschiebung bringen. Aber ich konnte es einfach nicht.

 

Ich habe kein schlechtes Gewissen dabei, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ich habe 12 Jahre meines kostbaren Lebens gelitten und versucht, es „richtig“ zu machen, so wie alle es machen.

Ich bin davon krank geworden.

Während meiner Heilungszeit seitdem habe ich die ganze Zeit daran gearbeitet, meinen Lebensunterhalt wieder selbst zu verdienen. Aber mit Arbeit, die einen Sinn hat und anderen hilft.

Wenn ich zusätzliches Geld verdienen muss, kann ich einen Minijob annehmen. Aber einen, der für mich einen Sinn ergibt: In einem Zooladen oder Geschenkeshop vielleicht … Aber so lange es mir irgendwie anders möglich ist, so zu leben, werde ich das nutzen und meine Energie und Zeit lieber in den Aufbau der wirklich sinnvollen Arbeit stecken.

Mit ganzichselbst so vielen Frauen helfen, dass auch ich davon leben kann.

(Verkaufe ich nur 2 ganzichselbst Lounges pro Monat, kann ich schon überleben. Mit 3 oder 4, und dem gelegentlichen Webseitenauftrag, ist’s ein richtig schönes Leben.)

 

Ich muss nur mehr Frauen erreichen mit dem, was ich schreibe.

Wo sind denn all die Frauen, die so unzufrieden mit ihrem Job sind? Die jeden Tag schimpfen und die Tage bis zum Urlaub zählen? Die sich eine Alternative wünschen?

Das muss doch nicht mal die eigene Selbständigkeit sein. Aber der Mut, sich soweit selbst zu vertrauen und zu lieben, die Stelle zu wechseln. Es gibt auch weniger schlimme Arbeitsplätze, die ihnen möglicherweise besser liegen und sie nicht völlig kaputt machen.

Ich mache ja nicht nur #Freuberufler. Ich will einfach den Schubs geben und den Mut, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Und den Blick, was man vielleicht wirklich langsam aus dem Leben rausschmeißen kann – an Dingen und an Verpflichtungen, die nur Platz, Zeit, Geld, Nerven kosten.

Möchtest du meine Blogartikel, die du inspirierend findest, mit diesen unglücklichen Frauen, die du kennst, teilen? Unter jedem meiner Artikel findest du die Buttons dafür.

 

Ich gehe jetzt mit Nikita eine Streuselschnecke beim Bäcker holen und dann zur Elbe.

 

Nachtrag: Keine Elbe (wir wollen ja bei der Wahrheit bleiben). Wir sind nach der nötigsten Minirunde gleich wieder rein gegangen, weil ich diesen Artikel zuende schreiben wollte. Aber ’ne Schnecke gab’s.

 

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