Gärtnern – vom Glück im Grünen

Vor fünf Jahren habe ich entdeckt, wie nachhaltig glücklich es macht, kleine Saatkörnchen in die Erde zu tun und schon nach wenigen Tagen die ersten Keimspitzen durchkommen zu sehen.

Sag jetzt nicht: „Aber ich hab ja keinen Garten.“ Das geht auch in ein, zwei Kübeln in fast jeder Ecke. Gerade habe ich eine alte Dame kennengelernt, die ganz allein den gesamten Bereich vor ihrem Wohnblock mit Pflanzen verschönert hat und pflegt.

In unserem Viertel gibt es auch eine ehemalige Brachfläche, die von einer Familie in Eigenregie in einen herrlichen Garten verwandelt wurde. Die Stadt begrüßt dieses Projekt und unterstützt sie sogar mit kostenlosem Wasseranschluss.

Und ich gärtnere auf unserem Balkon.

Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg.

Und ich will auch kein: „Aber ein Garten macht doch so viel Arbeit!“ hören.

Ich bin ein fauler Gärtner. Und viel Geld ausgeben will ich auch nicht.

Deshalb reicht mir mein Balkon vollkommen aus.

Ich muss keine Schnecken vertreiben. Kaum Unkraut jäten. Ich darf einfach nur moderat pflanzen und buddeln und ausschweifend genießen.

Auf ein paar Gemüsepflanzen und Blumen will ich allerdings nicht mehr verzichten.

Ich kann immer wieder nur staunen über die Schönheit und Pracht meiner Pflanzen. Selbst meine Gemüsepflanzen haben herrliche Blüten! Ich kann mich gar nicht satt sehen.

Dies alles entsteht aus ein paar billigen Samenkörnchen. Oder welchen, die ich in dem Gemüse gefunden hab, das ich gegessen hab.

Apropos „gegessen“: Essen kann man die Früchte dann ja auch noch!

Außerdem kann man Pflanzen, Samen und später Früchte teilen. Eine Zucchini kann ganz schön loslegen!

Ich wüsste nicht, was wunderbarer – und minimalistischer – wäre.

Und das alles kostet gar nicht viel Geld (und spart sogar noch welches, weil man weniger Gemüse und Kräuter kaufen muss).

Das ist unser Balkon aktuell:

Du kannst rund ums Jahr gärtnern und dekorieren.

Und im Prinzip kannst du auch, wann immer du willst, mit deinem Balkon- oder Kübelgarten beginnen. Nimm nicht zu ernst, was auf den Samentütchen steht. Ich hab auch schon im August Erbsen ausgesät und hatte bald tatsächlich noch ein paar Schoten zum Naschen! So spät im Sommer legen die Pflanzen extra nochmal los.

Ob vor dem Haus, bei deiner Lieblingssitzbank, auf dem Fensterbrett, auf dem Dach oder in einer Hofecke.

Bevor wir Zutritt zu unserem Balkon bekamen, habe ich auf dem Fensterbrett und auf einem Tischchen davor gegärtnert:


Januar/Februar: Du kannst jetzt schon damit anfangen, dich glücklich zu machen

Jetzt ist zwar noch Winter, aber ich bin jedes Jahr immer schon freudig dabei, meinen Gemüsebalkon für die kommende Saison zu planen. Und allein das macht mich schon so zufrieden.

Mache beispielsweise an einem entspannten Samstag Inventur:

Welche Pflanzgefäße habe ich schon vom letzten Jahr?

Du musst ja nicht in alles auf einmal investieren. Sei erfinderisch, plane vorausschauend und lass deinen Garten wachsen.

Und was sich alles als Pflanzkübel eignet! Blumentöpfe, die jemand abgegeben hat, weil Gärtner immer zu viele haben. Ich hab auch einige Kästen beim Sperrmüll bzw. bei einer Verschenke-Kiste ergattert.

Eimer (mach unten ein Loch rein, damit das Wasser nicht fault).

Dachrinnen, zu Balkonkästen umfunktioniert.

Obststiegen. Weinkisten.

Große Kochtöpfe, sogar Milchkännchen. Dann sieht es bei dir aus wie in einem Bauerngarten.

Suppen- oder Teedosen. Hab ich alles schon gesehen!

Gummistiefel, Nachttöpfe, Emailleschüsseln.

Manche Leute gärtnern in halbierten Milchkartons oder Plastikflaschen. Oder in großen Tüten!

Ja, meine Chili wächst in einem Hexenkessel!

Welche Pflanzen möchte ich haben?

Und wie wachsen sie am besten auf dem Balkon?

Was wurzelt flach (Kürbis, Zucchini, Gurke), was tief (Tomate, Rose, Möhre)?

Welche Sorten kann man zusammen pflanzen? (Basilikum passt zu Tomaten, nicht nur auf dem Teller. Zwiebeln und Knoblauch, vor allem aber Radieschen haben immer zwischendrin Platz).

Anfängertipp:

Wenn du dich erstmal einfühlen willst, fange mit einer einzigen Tomatenpflanze in einem Eimer oder ähnlichem an.

Du kannst sie aus Samen einer Tomate, die du isst, ziehen oder dir eine kleine Pflanze kaufen oder von einem Hobbygärtner schenken lassen. Sie haben meist zu viele ausgesät und geben gern einige ab. Wir haben dieses Frühjahr Pflänzchen in kleinen Töpfen zum Mitnehmen vor unserer Haustür ausgesetzt. Sie waren ruckzuck weg.

Die Tomate wächst üppig, ist sehr befriedigend für den Gärtner, duftet herrlich, und ich habe in meinem ersten Balkonjahr an die 60 Früchte von einer einzigen Pflanze geerntet!

Das war meine Agathe 2014:

   


Hier ein Foto meiner Planung. Was ich alles so anbaue:

DSC00901

Projektplanung – sogar mit Farbcode (grüne Klebis = Gemüse, rosa Klebis = Blumen).


Für ganz frühe Blüten

Ich habe Frühblüher-Zwiebeln in meine Balkonkästen gesetzt. Krokusse, Schneeglöckchen, Tulpen und Narzissen.

Ich wollte, dass es so früh wie möglich bei mir sprießt und blüht.

Vielleicht ist es für dich jetzt für Zwiebeln schon zu spät, aber es gibt günstig Töpfe und Körbchen mit schon grünenden und teilweise schon blühenden Pflanzen. Narzissen, Hyazinthen

Oder – wenn dir ein fertiges Arrangement zu teuer wird – kauf dir für ca. 50 ct pro Topf Hornveilchen und andere Blümchen und pflanze sie selbst in ein hübsches Gefäß, das du noch irgendwo rumstehen hast. Eine Emailleschüssel, einen Topf, ein Körbchen (das du mit Folie auskleidest) …

Gönn dir doch etwas günstige Freude und Farbe und Vorfreude und fang an, kreativ damit zu gärtnern.

März/April/Mai: Jetzt geht’s richtig los

Jetzt sind die Tage schon richtig warm. Jetzt ist es Zeit, auszusäen und zu pflanzen.

(Manche säen schon im Januar/Februar im Zimmer, aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass das zu früh war. Ende März reicht völlig zu.)

An sonnigen Tagen kannst du deine zarten Pflänzchen auch schon an einem windgeschützten Ort draußen an das Klima gewöhnen. Tomaten z. B. müssen lernen, mit Wind umzugehen.

Mitte Mai kommen allerdings nochmal die Eisheiligen, da solltest du empfindliche Kübel nochmal reinnehmen oder vor Kälte schützen. Schaue immer auf die Nachttemperaturen der kommenden Woche.


Wenn es dir nicht schnell genug geht

Ich bin inzwischen dazu übergegangen, nicht mehr alles selbst auszusäen sondern manche Pflanzen auch schon als Pflänzchen zu kaufen. Das kostet nicht viel, aber es macht deinen Balkon sofort grüner und üppiger.

Dieses Jahr haben wir Hornveilchen (kosten 40 bis 80 cent pro Topf), Dahlien, eine Rose, einen Lavendel, eine Fuchsie und drei verschiedene Erdbeerpflanzen fertig gekauft.

Tomaten (dieses Mal 4 oder 5 Sorten), Sonnenblumen, Paprika und Chili, einen Kasten Feldsalat, eine „Blumenwiese“ (Ringelblumen, Dahlien, Klee, Mohn …) und Kräuter wie Dill, 2 Sorten Basilikum, Petersilie und Schnittlauch haben wir wieder gesät.

Juni – September: Freude- und Erntezeit

Ist ja klar: Das ist die Hoch-Zeit deines Balkonparadieses, dazu muss ich nicht viel sagen.

Und natürlich dürfen wir auch einfach nur genießen:

Ach so, die Möblierung ist ebenfalls über die Jahre gewachsen. Das haben wir  nicht alles mit einmal angeschafft.

Manches sind auch Möbel aus der Wohnung (die Korbstühle z. B.), die wir immer raus und rein tragen. Je nachdem, wo wir es gerade gemütlich haben wollen.

Und du kannst die Freude an deinem Balkon noch um einige Monate verlängern:

Vorausplanung für einen farbenfrohen Herbst

Ich mag die Pflanzen, die es im Herbst im Handel für Balkone so gibt, nicht so sehr (Ausnahme: Astern und Chrysanthemen, da gibt es ganz hübsche).

Also überlege ich mir schon im Winter, was mir dann lange Freude und Farbe in den Herbst bringen wird.

Meine Lösung:

Ringelblumen, Sonnenblumen, Lampionblumen und die Zierpflanze „Kürbis am Stiel„.

DSC00752 KopieUnd ich hatte sogar schon einen echten Kürbis.  Aus den Kernen vom Vorjahr.

Oktober/November: Genieße jeden warmen Sonnenstrahl

Und die herrlichen Herbstfarben: Orange, gelb. Du kannst Glück haben und jetzt noch immer ein paar Stunden draußen verbringen:

Dezember: Winter auf dem Balkon

Wir dekorieren unseren Balkon auch im Winter. Er liegt vor unserem Küchenfenster, und da wollen wir es rund ums Jahr schön haben. (Ehrlich gesagt dekorieren wir im Winter nur diesen Teil, den wir von der Küche aus sehen.)

Und uns besuchen auch die Vögel: Blaumeise, Gimpel, Eichelhäher, Krähen und Tauben. Sie lieben die flache Blechdose, in die die Mitbewohnerin Sonnenblumenkerne in flüssig gemachtes Fett eingießt und hart werden lässt.

Das „Gesteck“ ist leicht gemacht: Einfach ein paar Zweige in einen Übertopf gestellt, sogar ohne Steckmasse. 2, 3 Piekser aus einem früheren Gesteck dazu gesteckt – fertig.

Es ist so einfach und braucht auch nicht viel Geld oder Aufwand oder Zeit, sich rund ums Jahr so ein kleines grünes, glücklichmachendes Fleckchen Erde zu erschaffen. Einfach ein großer Eimer, ein Sack Erde (der kostet im Discounter auch nur 2 €), ein paar Samenkörnchen rein, gießen und freuen.

Wir gärtnern im Flow

Wenn die Sonnenstrahlen uns kitzeln, bekommen wir von ganz alleine Lust, etwas zu pflanzen oder zu gießen.

Die trockenen Blüten zupfen wir nebenbei ab, während wir ohnehin mit einem Kaffee oder Glas Wein draußen sitzen und klönen. Balkon- und Kübelgärtnerei macht sich wirklich wie von selbst.

 

Ich hab auch dieses Jahr wieder mein Fotoalbum, das ich im Laufe der Monate mit Fotos der Fortschritte in unserem kleinen Balkon-Selbstversorger-Gärtchen füllen werde. Schau mal vorbei.

Fängst du dieses Jahr an zu gärtnern?


PS: Für Erträge in deinem Leben hab ich hier einen Mailkurs für dich. Anders als meinen Balkon gibt es diese Aktion allerdings nur jetzt im Sommer:

Leave A Response

* Denotes Required Field