7 Wege, mit fordernden Menschen klarzukommen

Introvertiert? Hochsensibel? 7 Schritte für Beziehungen mit den dir wirklich wichtigen Menschen.

Vor ein paar Jahren ging eine Freundschaft von mir in die Brüche, weil ich nicht zur Geburtstagsfeier der Freundin mit ihren vielen, mir unbekannten Gästen gehen wollte und sie gefragt hab, ob wir uns nicht stattdessen hinterher lieber zu zweit treffen können. (Was für eine „Freundin“, hm?)

Meine Eltern haben mich oft dazu überredet, mich mit Menschen zu unterhalten, zu denen ich mich nicht hin traute.

Dass ich mich nicht traute, habe ich immer als Makel verstanden.

Heute weiß ich: Das bin eben ich.

Deine Empfindungen stimmen. Für dich. Wenn dir eine Veranstaltung zuviel wird, oder ein Gespräch … dann ist das so.

Ich zwinge mich nicht länger dazu, diese Dinge zu tun. Sie zu vermeiden ist für mein Wohlbefinden gut.

Große Menschenansammlungen ziehen meine Energie, sie schwächen und überfordern mich. Ich würde eher krank davon werden, wenn ich zu viel von dem machen würde, was ich nicht mehr will.

Ich bin nicht schlechter dadurch. Ich bin eben anders.

Und so anders nun auch wieder nicht, denn so viele Menschen sind wie ich. Das ist gar nicht so selten.

 

Die Welt ist groß, laut und schnell geworden

Viele fühlen sich heute von der Informationsflut, den Anforderungen, dem erhöhten Tempo der Welt überfordert. Haben Angst vor den schlimmen Dingen in der Welt, von denen sie in den Nachrichten erfahren. (Ich hab gestern wieder von einem Hundequäler gelesen und bin noch ganz verstört.)

Angst vor den sogenannten „Erwachsenenpflichten“. Wollen nicht jeden Tag zur Arbeit pendeln, in einem tristen Büro oder einer auslaugenden Werkhalle arbeiten, Arbeit tun, die für sie keinen Sinn ergibt oder die sinn-voller ginge, wenn man sie nur selbst gestalten dürfte.

Und halten sich selbst für verkehrt. Für einen Versager oder Schwächling, weil sie da nicht mithalten können.

Aber nicht der Mensch ist verkehrt – es ist die Um-Welt, die inzwischen zu schnell geht.

 

Es ist auch eine Frage des Alters.

Heute sind Filme schneller geschnitten. Die heutigen Jugendlichen sind mit dem schnelleren Tempo der Computerwelt aufgewachsen. Wir kannten es noch langsamer.

Und auch die persönliche Energie lässt einfach nach. Mit Mitte 20 und Anfang 30 hatte ich auch noch mehr Energie als heute mit Anfang 40. Bzw. habe ich meine Energie anders eingesetzt. Heute ziehe ich einfach andere Dinge vor. Inzwischen habe ich einiges schon mehrmals gemacht und muss nicht mehr zu jeder Action hin rennen. Man wird wirklich gelassener mit den Jahren, weil man inzwischen mehr vom Leben kennt.

All das führt dazu, dass Menschen wie ich nicht mehr so viele Menschen um sich rum verkraften können. Dass wir es lieber überschaubar haben.

Eben habe ich vermeintlich inspirierende Videos ausgeschaltet, weil mir die Moderatoren darin viel zu schnell geredet und mich mit Informationen bombardiert haben.

Das ist auch der Grund, warum ich mein Coaching auf’s Geschriebene begrenze. Auf’s Bloggen, auf E-Bücher und Mailkurse.

Der Leser, die Leserin können so ganz in ihrem eigenen Tempo studieren. Sie können eine Pause machen und sie können meine Texte mit ihrer eigenen inneren Stimme lesen.

Ich mache weder 1 zu 1 Coaching, noch habe ich Videos oder Webinare, die mir zu häufig marktschreierisch vorkommen.

Ich schließe Überforderung von vornherein aus und biete für deine Weiterentwicklung einen Raum der Stille.

 

Es hängt auch nicht nur von dir ab, mit wem du dich gern umgibst

Wenn jemand bei jedem Kontakt deine Lebensentscheidungen kritisiert oder dir das Neueste aus der Krebserkrankung eines Bekannten (oder nicht mal dir selbst Bekannten) berichtet, wirst du natürlich weniger Lust haben, das nächste Telefonat oder Treffen herbeizuführen. Ganz normal.

Du bist also nicht allein der entscheidende Faktor, ob du gern mit (diesem) Menschen zusammen bist oder eher nicht. (Und häufig wird dieser Mensch dir das noch einzureden versuchen. Höre nicht drauf. Das ist nicht wahr.)

Was kannst du nun tun, um als introvertierter, hochsensibler Mensch deinen Alltag angstfrei, ruhig und überschaubar zu gestalten? Hier sind 7 Schritte:

 

1. Steige einfach aus

Mach nicht länger mit bei der Informationsflut, den „Das musst du unbedingt erlebt haben“-Terminen, den Hypes und den „Erwachsenenpflichten“, wenn du darauf keine Lust hast.

Finde dein persönliches Wohlfühltempo, die Dinge und die Menschen, die dir selber gut tun.

Dinnereinladungen, Elterngruppen, Vorstandssitzungen. Es gibt Menschen, die sowas lieben. Aber wenn du keiner davon bist, bist du auch okay.

Es gibt auch Menschen, die es lieben, Steuererklärungen auszufüllen. Überlass deine doch diesen Menschen, auch wenn es ein bisschen Geld kostet. Dafür sparst du viele Nerven, Energie und Zeit, die du mit schöneren oder dir wichtigeren Dingen verbringen kannst, z. B. deinen Kindern oder einem Bad.

Du darfst langsamer machen.

Du musst nicht alles mitmachen.

Du darfst dich auch von Menschen zurückziehen.

Ich mach das seit über 10 Jahren.

Menschenmassen meide ich. Der Striezelmarkt ist absolut nichts für mich, und jetzt mit dem Hund erst recht nicht mehr.

Ich hasse es zu telefonieren.

Mir ist unwohl dabei, in den Briefkasten zu schauen oder meine Mails zu öffnen. Aber dafür gibt es ja persönliche Assistenten, die die Post vorsortieren und sich um diverse Aufgaben gleich selbst kümmern.

Ich kann nicht mehr nach den Terminen anderer leben. Ich mache überhaupt nicht gern Termine, sondern lebe lieber aus dem Bauch heraus, im Flow. Ich lebe und arbeite sehr nach meinem weiblichen Zyklus.

Dafür habe ich mir meinen Arbeitstag entsprechend eingerichtet. Selbständig zu sein ist ideal für introvertierte und hochsensible, weil du dabei deinen Alltag und deine Arbeitsweise größtmöglich selbst bestimmen kannst.

Ich renne nicht mehr zu Massenveranstaltungen. Ich arbeite nicht mehr nach Terminen anderer. Ich liebe einsame Hundespaziergänge im Schnüffel- und Grübeltempo an der Elbe. Dabei tanke ich auf und plane in Ruhe den nächsten Schritt. So sieht mein Arbeiten heute aus.

 

2. Du musst kein Telefon haben. Du musst nicht immer erreichbar sein.

Es ist zwar ungewöhnlich, aber ich kenne Menschen, die kein Festnetztelefon mehr haben (ich bin einer davon). Die nicht auf ein Smartphone umgestiegen sind, sondern an ihrem alten Nokia hängen, das nur telefonieren und smsen kann. Oder gar kein Handy besitzen.

Ich habe schon öfter Ärger bekommen, weil ich nicht telefonisch zu erreichen war. Aber inzwischen stehe ich da drüber. (Es ist Übungssache.) Ich hatte das Handy stummgeschaltet, z. B. für die Chorprobe, und hatte vergessen, es wieder laut zu machen. Aber für meine seelische Gesundheit ist es besser so.

Ich nehme mir auch das Recht heraus, selbst zu entscheiden, wann ich meine Mails lese und wann ich überhaupt erreichbar bin.

Mach, was sich für dich richtig anfühlt. Du bist jetzt groß und darfst selbst entscheiden.

Dabei hilft dir mein Buch „Vom Minimalismus der Fülle„. Es ist ein E-Buch, und du kannst sofort loslesen und dein Leben leichter machen:

 

Es kostet keine 10€.

 

Ich bevorzuge zur Kommunikation mit meinem Lieben geschriebenen Chat. WhatsApp macht mir Spaß. Die WG und die Familie schicken sich hier Grüße oder Fotos von Dingen, die sie grad gemacht haben oder witzig finden. So hören meine Lieben von mir und ich von ihnen. Aber nur mit Spaß und ganz ohne Verpflichtung.

 

3. Grenze deine Social Media-Aktivitäten ein

Auf die, die du gern machst. Meide die, die dich aufregen, verängstigen oder ärgern.

In letzter Zeit bemühe ich mich, mehr auf fremden Blogs und in Statusmeldungen anderer Blogger Kommentare zu hinterlassen, hilfreiche Tipps zu geben oder ein nettes Wort zu schreiben. Auch, um auf meine Arbeit aufmerksam zu machen.

Aber die Masse an vorhandenen Facebookseiten in meiner Liste und Blogs auf meinem Reader hat mich früher überfordert, und so habe ich schnell wieder atemlos und gehetzt die Seiten geschlossen.

Bis zu meinem Social Suicide. (Der so ablief.)

Networking introvertiert – das geht

Heute bin ich privat und geschäftlich nur noch in sehr wenigen Gruppen. In denen, in denen ich mich wohl fühle. In denen positive Nachrichten geschrieben werden. Man nett miteinander umgeht.

Eine davon ist die Gruppe vom Einfachen Leben, die ich selbst leite. Das ist meine Art von Networking. Ich kenne lieber die Leute, mit denen ich interagiere. 50.000 Zahlen, die einmal „Like“ geklickt haben aber nichts von meiner Arbeit wahr- und für sich mitnehmen, helfen niemandem.

Ich kenne lieber die Menschen, die meine Sachen lesen. So kann ich auch besser „liefern“, was sie brauchen. Weil wir miteinander kommunizieren.

Meine Leser sind doch keine Zahl. Jede „Zahl“ ist ein Individuum, das sich dafür entschieden hat, hier ein bisschen seiner Zeit meiner Arbeit zu widmen. Das weiß ich sehr zu schätzen.

One love at a time.

Kennst du das auch? In den letzten paar Tagen begegnet mir eine Formulierung immer wieder, die mir hilft, wieder mehr bei mir zu bleiben:

 

4. „One love at a time.“

Neuerdings stoße ich überall auf diese oder ähnliche Formulierungen. Auf den Seiten von Businesscoaches, denen ich folge. Auf Blogs von Kollegen. Und mich entstresst das sehr.

Wenn du dich in kleinen Runden oder Treffen mit nur einer Person wohler fühlst, ist das okay. Du bist ganz normal.

Dann hab ich eben noch nicht zigtausende Follower. Dafür kenne ich aber den Namen und die Aktivitäten des einen oder anderen.

Die ganzichselbst Community ist eine so miteinander agierende und sich gegenseitig unterstützende Gemeinschaft von Leserinnen. Eine wohltuende Oase in Zeiten des schnellen und oberflächlichen Internets.

Diese Eins-zu-eins-Gespräche und auch die Zeiten, in denen ich mich ganz zurückziehe, geben mir und meinen Klienten mehr als riesige Messen und trubelige Netzwerktreffen. Auf denen gebe ich mir selbst immer das Gefühl, noch nicht genug getan, noch nicht genügend Menschen gesprochen zu haben. Auf denen scannt dein Gesprächspartner über deine Schulter hinweg den Raum, ob nicht vielleicht jemand wichtigeres als du zu entdecken ist.

Ich hasse riesige Messen! Selbst die Gesundheits- und Wellnessmesse hier ist so voller Lärm und verzweifelter Leute, die dir unbedingt ihr Produkt aufdrängeln wollen.

Ich halte es lieber mit Höflichkeit. Mit wirklicher Aufmerksamkeit. Und das geht nur unter vier, höchstens sechs Augen. Was meinst du?

Lieber in entspannter Runde an einem sicheren Ort ein Gespräch, bei dem man sich wirklich auf den Gesprächsparter konzentrieren kann.

Apropos konzentrieren:

 

5. Lebe und arbeite ablenkungsfrei.

Ich liebe den ablenkungsfreien Modus beim Blogschreiben auf WordPress. Keine Werbung, nicht all die anderen vielen Felder, die du noch ausfüllen musst. Nur du und die Worte, die du an deine Leserin bringen willst.

Und beim Artikellesen. Kennst du das kleine Buchsymbol oben in der Adressleiste deines Firefox? (Falls nicht, installiere das Addon „Leseansichten aktivieren“). Dadurch bekommst du den Lesemodus für einen Artikel angezeigt. Werbung und der größte Teil der Bilder und sonstigen Aktivitäten rund um den Artikel werden ausgeblendet.

Ich liebe einen weißen Bildschirm. Einen reinen Tisch. Auch bevor ich mit dem Arbeiten anfange, räume ich erstmal meinen Schreibtisch und mein Zimmer auf.

Ganz ohne das Klingeln des Mailfachs, das Aufflackern von Werbung, all die Leute, die was von einem wollen. Und das sofort.

6. Gehe ins RL

Der Fluss, eine Bank, Picknick auf der Wiese im Schatten. Dein Balkon. Ein bisschen buddeln. Für dich sein. Oder mit dem Menschen, den du dir dazu aussuchst. Das bringt dir Energie, statt sie dir abzuziehen. Das beruhigt deine Seele.

Ich habe es auch wieder sehr genossen, das Wochenende mit meiner Mitbewohnerin zu verbringen. Wir haben eine schöne Wanderung mit den Hunden unternommen. Frische Luft getankt und atemberaubende Landschaft gesehen.

Und doch brauche ich dann auch wieder einen Ausgleichstag – nur für mich und meinen Hund. Heute lassen wir es ganz ohne Verpflichtungen und Anforderungen angehen. Die Mitbewohner kommen erst abends nach Hause. Bis dahin haben wir hier Stille, und können ganz in unserem eigenen Tempo vor uns hin kramen oder ruhen.

Sorge für den Ausgleich. Du musst gut für dich selbst sorgen.

 

7. Letztendlich bleibt dir nur, selbst immer wieder Nein zu sagen

Du wirst dich selbst am besten kennen, und du musst gut auf dich selbst aufpassen.

Denn es wird die Einladungen geben, die Meinung, dass du unbedingt als Unternehmer zu dem Netzwerktreffen gehen oder diesen neuen Social Media Hype mitmachen musst.

Es wird auch die missbilligenden Äußerungen geben, warum man dich nie erreicht oder sogar, dass du „assozial“ bist (das durfte ich mir leider auch schon anhören).

Du allein weißt, was du dir zumuten kannst und du weißt, dass dein Weg genau so gut funktioniert. Für dich funktioniert es nur auf diese Weise.

Brenne dich nicht aus, weil andere vermeintlich mehr schaffen als du. Du bist nicht sie. Sie sind in einem anderen Alter, haben einen anderen Alltag, sind vielleicht gesünder – sie sind einfach sie, und du bist du.

Nochmal: Du bist genau richtig so. Und du bist lange nicht allein damit.

Wie steht es so schön auf diesen T-Shirts?

„Introvertierte aller Länder vereinigt euch! Jeder bei sich allein Zuhause.“

 

Zusammenfassung:

  1. Du bist ganz normal, deine Empfindungen sind völlig natürlich.
  2. Mit angenehmen Menschen wirst du automatisch lieber Zeit verbringen, die unangenehmen/fordernden kannst du meiden.
  3. Menschenmassen, große Feiern usw. kannst du meiden (frag, wenn du magst, nach einem Treffen zu zweit).
  4. Du darfst selbst bestimmen, ob und wann du telefonisch, per Mail etc. erreichbar sein willst (mir macht WhatsApp Spaß).
  5. Auch in den Sozialen Medien kannst du dir aussuchen, mit wem du Zeit verbringen willst. Oder ob überhaupt. Sogar als Unternehmer!
  6. Massenmailings sind unhöflich und unpersönlich. Für uns funktioniert viel besser „One love at a time.“
  7. Real Life, Natur, Entschleunigung und dein Bauchgefühl.

 

Extra-Tipp 8. Lege dir ein Haustier zu

Ein Haustier ist dein bester Partner, wenn du gern deine Ruhe hast, gern in deinem Zimmer für dich bist und trotzdem nicht vereinsamen willst.

Mein Hund tut mir so unglaublich gut. Sie bringt mich dazu, raus an die frische Luft zu gehen. Sie bringt mich leicht und ungezwungen mit anderen Hundehaltern ins Gespräch – und das sind von Natur aus fast überwiegend nette Gespräche. So kann sogar ich mit Fremden reden. Und wenn ich das nicht will, gehe ich eben einsamere Wege.

Und sie zeigt mir auch, wie das Leben im Hier und Jetzt geht, das Genießen dessen, was grad ist. Das Ausruhen. Das Wohlfühlen. Liebe und Dankbarkeit.


Meinen Alltag habe ich mir um meine Bedürfnisse herum aufgebaut. Und so ist auch meine Arbeit. Das, was ich dir dir mitgeben will.

Weil ich die Stille mag und denke, dass es vielen von uns ähnlich geht.

Für eine introvertierte, sensible Person wie mich und viele meiner Leserinnen ist die Welt sehr laut und schnell und anstrengend.

Meine Texte und Mails kannst du lesen, wenn es dir gerade am besten passt. Und in deinem eigenen Tempo. Und das, was dir hilft, deinen eigenen entspannten einfachen Alltag einzurichten, daraus mitnehmen.


In der ganzichselbst Lounge geht es im September einen ganzen Monat lang nur um unsere Beziehungen.


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14 Comments

  • UE1955

    4. Oktober 2015

    Stimmt absolut so, Sandra

  • Nina

    4. Oktober 2015

    Hallo Sandra, mir fällt spontan ein Zitat ein, das mich ein bisschen getröstet hat, als ich eine vermeintliche Freundin verloren habe. „Sometimes you have to give up on people. Not because you don’t care, but because they don’t.“ Die Situation – wenn ich sie richtig verstanden und interpretiert habe – war so: Als ich dort, wo ich sie kennengelernt habe, neu war, da war sie sehr nett und hat mich viel unterstützt, auch Menschen kennenzulernen. Zudem war es so, dass ich anfangs Sprachprobleme hatte, was immer eine Barriere ist. Als ich mich dann sozusagen freigeschwommen hatte und dieses An-die-Hand-nehmen nicht mehr brauchte, da wurde ich plötzlich ignoriert. So als ob sie nur mit Menschen zu tun haben wolle, von denen sie über alle Maßen bewundert wird, oder die sie über alle Maßen bewundert. Auf Augenhöhe zu sein gab es da nicht. Jetzt ist es so, dass ich sie freundlich grüße, es ein bisschen Smalltalk gibt und dann gehen wir beide unsere eigenen Wege.

    Ich habe das Gefühl, dass der Mensch als Mensch immer weniger interessiert. Auf der Arbeit geht es nur um Leistung, gar nicht mehr um Menschen. Manche Kollegen von mir sind angefressen, wenn man es wagt, mal eine „private“ Frage zu stellen. Und da reicht schon „Hey, ihr habt doch euer neues Auto jetzt ne Woche. Wie fährt es sich denn?“. Es kümmert auch nie jemanden, ob es dir gut geht oder nicht / ob du dich gerade über etwas freust oder nicht, du bist ja schließlich zum Arbeiten da und nicht zum Mensch sein.

    Schön zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die Mensche sind und andere Menschen Mensch sein lassen!

    Sagt jemand, der zwar ein Festnetztelefon hat, aber nur rangeht, wenn er Lust hat und auch mit dem Anrufer reden will. :-)

    Liebe Grüße,
    Nina

  • greeneyes

    4. Oktober 2015

    Liebe Sandra, du sprichst mir aus dem Herzen…besonders mit dem Festnetz….Ich habe irgendwann den AB abgestellt, da mich die klagenden Anrufe meiner Mutter sehr angestrengt haben. Auch ich behalte mir vor, nicht jeden Anruf anzunehmen, ich rufe lieber zurück, wenn es mir gerade recht ist. Diese Form der Selbstbestimmung gefällt nicht jedem – aber mir tut es gut.
    Liebe Grüße

  • Texterin Tanja Heller

    5. Oktober 2015

    „Ich stehe nicht mehr zur Verfügung.“ Der Satz gefällt mir gut. Ich hab mich nach einem Blogbeitrag von dir zum Kraftsammeln in meine Höhle zurückgezogen. Mit Essen. Genau wie du es geraten hast. :) Das hat mir gut getan. Telefonhörer daneben gelegt. Ich schätze, die Welt drehte sich auch ohne mich weiter.

  • caroadmin

    5. Oktober 2015

    Liebe Sandra,

    auch mir sprichst du aus dem Herzen.

    Ich komme auch nicht mit Menschenmassen und Großveranstaltungen klar. Ich muss nicht ständig unterwegs sein hier und da. Ich schaff das gar nicht, all die Eindrücke zu verarbeiten und bin dann manchmal völlig ausgelaugt, wenn ich so etwas mitgemacht habe.

    Da ich berufstätig und meist abends erst um 19.30 h zuhause bin und mir nebenbei noch eine Selbstständigkeit aufbaue, ist es für mich essentiell, mich zurückzuziehen und mir Ruhe zu gönnen.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich ebenso auf die Bedürfnisse meiner Freunde achte und nicht erwarte, dass diese nur auf mich Rücksicht nehmen. Wenn die nun mal gerne telefonieren wollen – tu ich das ab und zu auch. Ich sage dann Bescheid, wenn es mir zu viel wird.

    Und mein Festnetz-Telefon schaffe ich auch nicht ab, denn ich finde es nicht schön, wenn man gezwungen wird, Menschen mobil anzurufen, weil die kein Festnetz haben. Ich habe z.B. nur eine Prepaid-Karte und kann manche Freunde gar nicht anrufen, weil diese nur mobil erreichbar sind. Es wird dann schwierig Kontakt aufzunehmen und sich zu verabreden.

    Entscheidend ist für mich klar zu kommunizieren. Wenn man mit den Menschen spricht und sie verstehen, dass man anders gestrickt ist, als sie, dann beugt man Missverständnissen und unangenehmen Situationen vor.

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Wow, so viele Kommentare hatte ich ja schon ewig nicht mehr! Da hab ich wohl echt einen Nerv getroffen. Danke euch allen. Und schön zu sehen, dass es noch andere so halten mit der Selbstbestimmtheit, besonders im Berufs- oder Familienverbund.

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Danke, Ulrich. Handhabst du das ähnlich?

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Liebe Nina, ich weiß nicht, wo ich das gelesen habe, aber es gab da einen Artikel der sagte, als Erwachsene würden wir viel langsamer wirkliche Freundschaften knüpfen, weil da jeder seine eigenen Bedürfnisse gefestigt hat und besser kennt. Da nimmt man nicht mehr jeden, der grad da ist – in der Klasse, in der Nachbarschaft. Und den Eindruck, dass Menschen heute nur noch als Kunden oder Arbeitskraft angesehen werden – oder als Weg zu einem neuen Kunden -, den habe ich leider auch. Gut, dass es auch wieder andere Menschen gibt, die dagegensteuern. Zumindest für sich selbst und im eigenen kleinen Umfeld. Danke für deinen langen netten Kommentar. Bis bald, Sandra

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Hallo Greeneyes, Mütter sind da irgendwie alle gleich, oder? Jedenfalls kenne ich mehrere von der Sorte. Liebe Grüße zurück, Sandra

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Liebe Tanja, oh, das freut mich, dass ich dich zur Höhlenzeit inspiriert habe! Es gibt eben Zeiten, da ist man total euphorisch und voller Energie, und dann gibt es wieder die Zeiten, in denen wir auftanken. Das ist bei unseren Handyakkus so, und bei unseren eigenen auch. Wir sind nun mal keine Maschinen. Wann machst du deine nächste Höhlenauszeit? Liebe Grüße, Sandra

  • ganzichselbst

    5. Oktober 2015

    Liebe Carolina, klar, in Freundschaften, die einem etwas bedeuten, investiert man auch. Auch Zeit oder mal eine Überwindung. Es ist nur so, dass irgendwie erwartet wird, dass man rund um die Uhr erreichbar ist – vor allem für Chefs, hab ich den Eindruck. Und das sehe ich nun mal nicht ein. Wochenenden, Feierabend und Urlaub z. B. sollten für Anrufer wie Klienten oder Mandanten oder den Chef meiner Meinung nach grundsätzlich tabu sein. Ämter haben ja auch Sprechzeiten, wieso wird das bei Selbständigen oder Angestellten anders gesehen? Es gibt so Höflichkeitsregeln wie die eben genannte, finde ich. Und ansonsten: Kommunikation, gerade über Bedürfnisse, ist eine wichtige Maßnahme, da hast du Recht.

  • Gabriela

    14. März 2016

    Liebe Sandra, du triffst so oft genau den Punkt. Und eins nach dem anderen ist wieder so ein Punkt. Die Beiträge zum Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen.

  • Sandra

    14. März 2016

    Vielen vielen Dank. Es freut mich, dass ich inspirieren oder bestätigen konnte :)

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