Der einfache Kleiderschrank – nie mehr unpassende Outfits

Seit 2015 haben wir hier in Dresden also auch einen Primark. In der Innenstadt sieht man sie in Scharen: Junge Frauen mit so vielen Papiertüten, dass sie sie kaum noch tragen können. Es gibt einen regelrechten Primark-Tourismus. Sie kommen in Reisebussen, fallen über den Laden her und fahren mit ihren Tüten wieder nach Hause.

Ja, Primark hat witzige Pyjamas und süße BHs.

Aber es macht mich traurig.

Das liegt daran, wie viele der Kunden im Laden (und vermutlich auch Zuhause) mit den Kleidern umgehen:

Die Klamotten türmen sich in riesigen Stapeln auf unendlich vielen Tischen. Kundinnen zerren ein Teil raus, halten es vor sich – und werfen es einfach zurück. Oder auf den Boden.

Ist ja nicht teuer, ist also auch nicht viel wert.

Da war keine Wertschätzung.

Dabei steckt in jedem Stück so viel Arbeit, Arbeit vieler Menschen!

Bisher war das einzige Positive, was ich über diese Ladenkette sagen konnte, dass sie wenigstens bei den Millionen von Teilen, die dort rausgeschleppt werden, Papier- statt Plastiktüten verwenden.

Leider ist das inzwischen auch anders.

Ich war auch zwei, drei Mal bei Primark, und ich hab auch ein paar Teile dort gekauft, aber die kann ich an einer Hand abzählen: Drei Kleider, ein Paar Pantoffeln, eine Winterjacke.

Und die trage ich noch, schon die dritte Saison.

Minimalismus heißt ja nicht, gar nichts mehr zu kaufen. Es bedeutet vielmehr, zu wissen, wann man genug hat.

Ich bin so minimalistisch, dass ich nicht mal einen Kleiderschrank besitze

Ich habe eine Kommode mit 3 großen Schubfächern. Und dazu eine Truhe. Darin befinden sich alle meine Sachen, aber auch meine Rucksäcke, der Schlafsack, ein paar andere Dinge.

Ich bin weit entfernt davon, vollkommen zu sein. Aber ich versuche, mir genau zu überlegen, welches neue Teil ich wirklich brauche.

Und es dann so lange wie möglich zu tragen.

Nur die Dinge zu besitzen, die du wirklich liebst, erspart dir außerdem auch Zeit und Nerven.

 

Andere haben auch schöne Kleider

Warum nicht mal untereinander tauschen?!

Einige meiner Lieblingsstücke – mein Cardigan, oder der lange grüne Rock – stammen aus dem Kleidertausch oder von Verwandten und Bekannten.

(Das rote Langarmshirt, den lila Schal und das schwarze Top hab ich auch schon seit vielen Jahren.)

Um das Gefühl von Belohnung, Schnäppchen oder „Gönnung“ zu bekommen, musst du kein nagelneues Teil aus dem Discounter erlegen. Das geht mit Second Hand-Sachen genau so gut, und ich finde ja eh, die sind viel individueller.

Meine Tasche, auf die ich so oft angesprochen werde, stammt von Kleiderkreisel, einer Online-Kleidertauschbörse.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, eine gestrickte kunterbunte Hippietasche haben zu wollen, das hab ich in die Suchmaschine eingegeben, et voila: Da war sie. Jemand anders wollte sie gerade loswerden. Preisgünstig, weiterverwendet. Beide Seiten waren glücklich.

Ein minimalistischer Kleiderschrank oder Capsule Wardrobe muss nicht langweilig sein. Ich peppe meine durch viele tolle Farben auf.

Werde kreativ! Leb dich aus.

Upcycling macht Spaß

Letzte Woche ist mir meine Jeans vom Hintern gefallen. Die einzige, die ich besaß, und sie war aus C & A-Biobaumwolle. Ich hatte sie seit bestimmt 5 Jahren. Und bekommen hatte ich sie von meiner Schwester, der sie zu groß geworden war.

Vermutlich werde ich keine Jeans nachkaufen, denn ich weiß jetzt, wie viele Rohstoffe in der Baumwollproduktion stecken, wie viele schädliche Chemikalien die Arbeiter verwenden müssen. Und ich trage eh gern Röcke und Kleider und Lagenlook, und Jeans waren für mich immer nur eine schnelle faule Alternative zu schöneren Outfits.

Die Jeans hab ich letzte Woche zu Spielknochen und Leckerli-Beutel für unsere Hunde verarbeitet:

Du kannst auch andere Kleidung aus kaputt gegangenen Sachen machen. Meine Schwester hat aus zwei Hosen einen Rock geschneidert. Ich hab schon mal Shirts zu Armstulpen und Longtop zusammengenäht.

Und die schwarze Nackenrolle auf dem Kommoden-Bild weiter oben ist ein altes Hemd meines Liebsten.

Kleidung kostet viel mehr, als auf dem Preisschild steht

Von dem, was alles in einer Jeans steckt, sprach ich ja eben schon kurz.

Neulich war ich in einem wunderschönen Klamottenladen hier in Dresden, der mich sehr inspiriert hat: Im Clamotti in der Neustadt (Facebook und Webseite). Handgemachte Hippiesachen aus fair gewebten Stoffen.

Die Teile kosten 100 – 300€. Es sind Einzelanfertigungen oder Miniauflagen, mit Trichterärmeln, spitzen Kapuzen, wunderbaren Farben. Und wenn’s nicht ganz passt, wird’s im Laden für dich individuell angepasst.

Die viele Arbeit und die faire Herstellung sind ihr Geld wert.

Jeden Schritt der Produktion kann man nachvollziehen.

Da aber z. Zt. nicht Kleidungskauf, sondern meine Hündin meine oberste Priorität ist, habe ich dann erstmal in meinen eigenen Sachen gestöbert und mal wieder bei mir selbst „geshoppt“, und das kann ich nur empfehlen:

Die Hose hatte ich schon fast vergessen, und das Oberteil, dessen Schulterpartie und Ausschnitt ich jetzt so schön finde, ist eigentlich ein Kleid. Clamotti-Style light.

So kommst du günstig an neue Outfits – ohne Kosten für die Umwelt

Jedes Frühjahr und jeden Herbst packt es mich, und ich mache Klamotteninventur. Ja, bei den Sachen, die ich schon besitze.

Im Herbst und Winter bevorzuge ich Herbstfarben wie Orange, Braun, Grün und Dunkelrot.

Im Frühling wandern die schwarzen und dunklen Teile in die Truhe.

Stattdessen konzentriere ich mich wieder auf Türkis, helles Grün, Lila und Pink.


Und dann stelle ich mir neue Outfits zusammen.

Ich ziehe mir ein Lieblingsteil an und probiere dazu passende Ergänzungen aus. Auch mal ganz neue Kombinationen.

Jeder von uns besitzt schon so unglaublich viel. Werde kreativ, stelle die Teile neu zusammen, statt loszulaufen und gleich alles wieder neu zu kaufen.

Die Altkleiderberge sind unerträglich hoch.

Frische Ideen bekommst du durch neue Farb- und Schnittzusammenstellungen.

Und Marie Kondō sorgt für Ordnung

Vor ein paar Monaten habe ich meine Kommode nach der KonMari-Methode neu eingeräumt.

Jetzt habe ich einen Regenbogen in meinen Schubladen!

Diese Methode wertschätzt, was man hat. Der Anblick allein ist jedes Mal wieder befriedigend.

Durch die aufrechte Anordnung sieht man sofort, was man besitzt. Das gelbe Top z. B. war irgendwo am Grund meiner Stapel in Vergessenheit geraten, aber nun ziehe ich es gern mal an.

Fast alle meine Klamotten passen in diese drei Schubladen, denn durch meinen Zwiebellook trage ich fast alle Kleidungsstücke zu jeder Zeit des Jahres.

Bei meinen Frühjahrs- und Herbst-Einkaufstouren – bei mir selbst – bekomme ich neue Ideen und neuen Schwung, und ich sehe sehr gut, ob ich mir überhaupt etwas nachkaufen muss.

 

Dieses Frühjahr hab ich mir bisher neu gekauft:

  • 2 Langarmshirts – pink und lila – aus Biobaumwolle, bei C & A
  • eine Sweatjacke (C & A) in petrol
  • 1 Pack Slips aus Biobaumwolle, bei C & A
  • 1 BH mit Slip, bei Kik (nicht bio oder fair, ich weiß; aber er sitzt sehr gut – war ein guter Tipp)

 

Und wie viele BHs besitze ich jetzt? 2!

 

Die minimalistischen Klamotten-Tipps aus dem Artikel nochmal zusammengefasst:

  1. Shoppe erstmal bei dir selbst – mach gelegentlich Inventur.
  2. Probiere dabei neue Kombinationen aus.
  3. Trage Sachen so lange wie möglich.
  4. Kaufe nur Teile, die du wirklich brauchst.
  5. Kleidertauschparties oder Tauschen mit Freunden, Geschwistern etc. machen Spaß und bringen dir neue Stücke – und du findest dort manchmal Lieblingsstücke.
  6. Second Hand-Läden haben individuellere Teile für dich als die Klamottendiscounter, deren Sachen dann jeder trägt. (Und Second Hand ist umweltfreundlicher.)
  7. Kleiderkreisel ist die Online-Anlaufstelle für Second Hand-Klamotten.
  8. Biobaumwolle gibt’s günstig bei C & A.

 


Zum Weiterlesen:

Das Buch von der Zufriedenheit mit dem Genug: „Vom Minimalismus der Fülle“.

 


Diese Ressourcen findest du in der ganzichselbst Lounge. Hier gibt’s mehr Infos dazu.

About The Author

Sandra

Sandra, *1976, schreibt auf ihrem Blog über das einfache, selbstbestimmte Leben und Arbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass auch du dir das Leben aufbauen kannst, das du dir erträumst. Und zwar, ohne dich dafür tot zu schuften.

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