Warum ich mal wieder von der Bildfläche verschwunden war

Es ist mal wieder geschehen: Ich war verschwunden.

Ich ging nicht ans Telefon. Meine Startseiten blieben unaktualisiert. Ich war nicht in meiner Gruppe aktiv. Ich ließ die Auftraggeber warten. Es erschienen keine Blogposts mehr.

Es tut mir sehr leid.

Ich konnte einfach nicht mehr.

Ich hatte schlicht keine Kraft.

Schon als Kind wurde mir gesagt, ich bilde mir meine dauernden Magenschmerzen nur ein.

Ich sei einfach zu sensibel, überempfindlich.

Die Schmerzen

Aber sie waren wirklich da.

Die Magenkrämpfe habe ich, seit ich zur Schule kam. Und habe sie bis heute immer wieder. Damals zogen meine Eltern mit mir von Arzt zu Arzt, ohne etwas Organisches feststellen zu können. Aber diese Schmerzen traten immer wieder auf.

Später – in meinem Beamtenjob – erkannte ich die Zusammenhänge: Sie treten auf, wenn ich sehr im (auch unbewussten) Stress bin oder vor einer Situation Angst habe. Es gibt einen Fachbegriff dafür: Reizmagen – auch „funktionelle Dyspepsie“.

Seit ungefähr 2003 oder 04 habe ich immer wieder Gelenkschmerzen – in den Handgelenken, den Fingern vor allem. Schmerzen, die auch ein Rheumatologe sich nicht erklären konnte. Cortison half damals für eine Weile dagegen, war aber keine Dauerlösung, besonders bei ungeklärten Symptomen.

PMS trifft mich von Anfang an sehr hart: Ich habe unter Umständen Schüttelfrost, Erbrechen, Kältegefühle, die nur in der Badewanne verschwinden. Selbst wenn es draußen sommerlich warm ist. Und in dieser Woche bin ich noch erschöpfter als sonst.

So lange ich die Pille nahm, ging es mir besser (ich konnte funktionieren, was in meiner Beamtenstelle auch erwartet wurde). Aber die ist nicht gesund. Deshalb nehme ich sie seit über 10 Jahren nicht mehr und ergründe lieber die Ursachen und Hintergründe meiner Beschwerden, statt sie wegzudrücken. Ich nehme mir diese Zeit für mich.

Überempfindlich? Hochsensibel.

Wenn es meinen Tieren nicht gut geht, ist mir auch schlecht. Als mein Hamster im Sterben lag, war mir übel. In den ersten Wochen, in denen meine Hündin neu war, habe ich mich oft mit ihr gemeinsam übergeben. Und als mir mehrere meiner Fische gestorben waren, ging es mir auch nicht gut, und ich kriegte nichts anderes auf die Reihe, als mich um sie zu kümmern.

Vielleicht bin ich „überempfindlich“. Ich halte das aber nicht für einen Makel. Ich fühle eben mit anderen Wesen (vor allem, wenn ich für sie verantwortlich bin), bin empathisch. Und es gibt viele hochsensible Menschen wie mich.

Ich brauchte schon immer längere Erholungsphasen nach körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastungen. Z. B. wühlt ein Streit mich sehr lange auf. Wenn mir nun jemand die Hölle heiß macht wegen Erwartungen, die ich gerade einfach nicht erfüllen kann, dann trägt das auch nicht gerade zur Heilung bei.

Ich meide Menschenansammlungen. Die Stadt stresst mich. Ich bin einfach empfindlicher gegen Geräusche und auch Trubel. Und auch gegen Licht. Manchmal blendet mich schon eine Kerze oder das Rücklicht eines Autos (LEDs sind heller als Glühlampen).

Glücklicherweise hatte ich noch immer keinen Migräneanfall, seit ich Nikita (meine Hündin) habe (toi toi toi), aber früher hat so ein blendendes Licht schon mal die Migräneaura bei mir ausgelöst.

Meine zwei Burnouts

Mindestens 2 Burnouts habe ich durchgemacht:

Den Zusammenbruch 2008 nach 12 Jahren ungeliebter Arbeit und Mobbing in meiner früheren Beamtenstelle.

Damals habe ich auch die Diagnose „Depressive Störung“ bekommen.

Und 2015/16 mit unserem eigenen Ladengeschäft/Seminarzentrum.

Diesmal bekam ich Migräne mit Aura, Nacken- und Kopfschmerzen, der Rücken tat weh. Ich war beim Ostheopathen, erlernte Entspannungstechniken. Aber schließlich gaben wir das Geschäft wieder auf.

An den Burnoutfolgen habe ich noch jahrelang zu knabbern.

Aber diesen Burnout wird man vielleicht nie wieder total los. Zur Zeit fühle ich mich mal wieder schlapp und krank.

Ich fühle mich erschöpft und habe kaum Antrieb. Die rheumatischen Beschwerden sind wieder da, jetzt, wo es wieder kühler wird. Morgens bin ich besonders steif. Habe Schmerzen in meinen Hand- und Fingergelenken.

Wie so oft stecke ich in einem Tief fest, in dem ich zu nichts mehr als dem Allernötigsten in der Lage bin. Ich fühle mich verwundbar, schwach, antriebslos. Und all die Anforderungen der Um-Welt machen es nicht besser.

Ich kann mich zu nichts aufraffen. Habe nicht mal Kraft zu essen. Und müsste es doch, um wieder Kraft zu kriegen.

Habe auch keine Idee, was ich essen könnte. Keinen Elan, mir etwas zuzubereiten.

In Frage kommen dann höchstens Fertiggerichte (und da ist es wieder, das schlechte Gewissen, weil das doch nicht gesund sein kann).

Ich hatte schon Phasen, da habe ich wochenlang von Tortillachips gelebt. Diesmal waren es Ramennudeln und Instant-Kartoffelpüree.

Überforderung

Arbeit bleibt liegen. Erwartungen kann ich nicht mehr erfüllen. Technik und Papierkram überfordern mich. Das alles belastet mich, mein Gewissen. Erst recht, wenn dann auch noch nachgefragt oder gedrängelt wird. Oder geschimpft.

Ich verstehe wirklich den Unmut. Aber ich kann grad einfach nicht funktionieren. Die Kraft reicht nicht.

Grade mal, dass ich mit Nikita die nötigsten kleinen Runden machen kann. Aber für sie bin nun mal ich allein verantwortlich. Sie ist voll und ganz auf mich angewiesen. Für ihr Wohlbefinden. Ja, für ihr Überleben!

Aber ich bin so erschöpft – schon beim Aufstehen. Die Gelenke schmerzen, der Rücken, die Hüften … Knochen können weh tun!

Ich schlafe schlecht, obwohl ich doch 10 12 Stunden im Bett bin. Aber der Schlaf ist nicht erholsam. Ich wache wie gerädert auf. Und fühle mich entmutigt, wenn ich an den kommenden Tag und seine Erfordernisse nur denke. Schon das Anziehen und Hundfüttern morgens erschöpft mich, und ich muss mich nochmal hinlegen.

Ich muss manchmal einfach in Ruhe gelassen werden. Kann keine Erwartungen erfüllen.

In meinem Zimmer bin ich in Sicherheit. Fühle mich geborgen. Es ist meine Höhle, mein Refugium.

Diese Phasen werde ich immer wieder haben.

Ich kann nichts dagegen tun.

Ich kann nur auf meinen Energiepegel achten. Mich nicht übernehmen. Aufgaben automatisieren oder von mir weisen. Mich viel erholen und längere Pausen einplanen.

Die Erwartungen der Gesellschaft sind einfach nicht mehr zu schaffen.

Man muss dauernd am Telefon erreichbar sein. Auf Emails sofort antworten. Es gibt die Messengerdienste, und wehe, man reagiert darauf nicht oder ist gar nicht dabei!

Alles wird schneller, lauter, voller. Wir sollen alles mitmachen und alles konsumieren. Filme werden schneller. Das Radio plärrt. Jeder brüllt uns seine Werbung ins Gesicht.

Da kann nur jeder für sich selbst die Grenze ziehen.

Wir müssen nicht alle neuen Trends mitmachen!

Jeder Betroffene kann selbst sehr viel für mehr Wohlbefinden und Heilung tun.

Ich kenne mich selbst und meine Bedürfnisse inzwischen ziemlich gut. Ich versuche auch, danach zu leben und mir viel Freiraum dafür zu nehmen.

Ich habe mir meinen Alltag schon seit meinem ersten Zusammenbruch 2008 so eingerichtet, dass ich überwiegend ganz frei entscheiden und arbeiten kann, wenn es mir gut geht, und vor allem heilen und ruhen, wenn dem nicht so ist.

Darüber habe ich ein ganzes Buch verfasst, das du dir hier anschauen kannst:

 

Die WG-Mitbewohner sind nur abends und am Wochenende hier. So habe ich tagsüber meine Ruhe.

Und mein Unternehmen kann für mich Geld verdienen, auch wenn ich gerade nicht zum Arbeiten in der Lage bin.

Also so heftige Abstürze wie bei meinen zwei Burnouts werde ich hoffentlich deshalb nie wieder erleben.

Trotzdem gibt es immer wieder Zeiten, in denen es mir einfach nicht gut geht. Und das ist der Grund, warum ich so wenig wie möglich 1:1-Arbeit mache. Warum ich in diesem Jahr keine neuen Aufträge angenommen habe. Warum ich Termine erst ab Mittag mache – wenn überhaupt.

Und warum ich meine Arbeit in Form der ganzichselbst Lounge zur Verfügung stelle. Eine Arbeit übrigens, in der es genau um diese Themen geht:

Leben, einfacher Alltag und freies Arbeiten als Hochsensible und Feinfühlige.

Nach einem Burnout, mit Depression oder in einer Krise. Eben immer, wenn du dich selbst wiederfinden oder kennenlernen musst.

Zur ganzichselbst Lounge

 

Offenbar bin ich gerade wieder aus einem dieser Energietiefs zurück an die Oberfläche gekehrt. Heute kann ich jedenfalls mal wieder Dinge abarbeiten. Und hatte sogar die Idee für einen – diesen – Blogpost! Dazu war ich in den ganzen letzte (Wochen) Tagen nicht fähig.

Ich werde gut auf mich achten. Bitte tue du das auch.

 

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