Mir ist in letzter Zeit auf youtube der „Romantisiere dein Leben“-Trend untergekommen.

Junge Menschen wollen einfacher leben, eher mit der Ästhetik der Häuser ihrer Großeltern. Dieser Art von Möbeln und Haushaltsgegenständen. Machen manche Dinge wieder selbst, finden die Liebe zum Backen und Basteln wieder.

Als Gegenbewegung zu all den Schreckensnachrichten. Eine Art Flucht vor der Realität.

Nachrichtensendungen, Magazine verkaufen sich immer noch am besten über Angst.

Ja, das romantische Leben ist zelebriert. Es ist nicht das wahre Alltagsleben. Es gibt auch Kanäle, auf denen es so gezeigt wird: Dass es ein Hobby ist.

Und ja, wieso sollten nicht auch Erwachsene mit Erwachsenenpflichten ein bisschen tagträumen?!

Unsere Eltern werden vermutlich die Augen rollen, aber das Leben ist heute schwer genug. Da dürfen auch gestandene Erwachsene noch „kindliche“ Phantasien und Hobbies leben. Finde ich.

So vieles in unserem heutigen Leben ist so lieblos und beinahe menschenfeindlich geworden.

Die Architektur. Gerade wurden bei uns im Pflegeheim nebenan das Foyer und der Speiseraum modernisiert. Die echte antike Kommode – ein Erbstück eines verstorbenen Bewohners – ist nicht mehr da. Die riesigen Pflanzen – alle weg. Stattdessen geradlinige schwere Vorhänge – wie in einem Bestattungsinstitut. Das Aquarium abgeschafft und durch einen Flachbildfernseher ersetzt. Und die Wände … Sichtbeton!! Grauer, liebloser geht es ja wohl nicht.

Wenn man da Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert betrachtet …

Und was man heute teilweise um Grundstücke herum sieht, anstelle von Zäunen und Hecken … Am schlimmsten sind die Fototapeten und die Steinwälle in Drahtkäfigen.

Den Alltag romantisieren – Bis zu einem gewissen Grad halte ich es für eine gesunde Entwicklung

Langsamer machen. Einfacher leben. Sich wieder auf frühere Werte rückbesinnen.

Schöne Dinge wieder wertschätzen. Uns kleine schöne Dinge gönnen, und sie achtsam wahrnehmen.

Ich denke, das ist die Essenz in diesem Romanticize-Trend.

Es hat auch was mit Selbst-Fürsorge zu tun.

Ich hab ein Video gefunden, indem eine Mama von 3 kleinen Kindern erzählt, dass sie sich selbst ein richtiges und ansprechend aussehendes kleines Frühstück zubereitet und nicht nur die Reste isst, die ihre Kinder liegen gelassen haben.

Gönnen wir uns hier und da etwas Schönes. Ganz für uns.

Ich dekoriere mir meine Wohnung auch schön. Auch bisweilen kitschig.

Denn wo, wenn nicht in unserem Zuhause, können wir uns ausleben und ausdrücken. Ganz wir selbst sein. Und unseren Wunsch nach Schönheit, Geborgenheit gestalten. Ein Stückchen heile Welt erleben.

Ich schaue weg. Zu meinem eigenen Schutz.

Ich meide Nachrichtenseiten, -sendungen, selbst solche, die das Weltgeschehen durch den Kakao ziehen. Ich kann Horror-, Endzeit-, Thriller-Bücher und -Filme nicht ertragen. Sowas wie True Crime schon mal gar nicht – echte Gewalttaten.

Gerade fand ich eine Nachricht mit einer Triggerwarnung – es ging um Schlachthöfe. Schaue ich mir nicht an!

Das heißt nicht, dass ich nicht mitkriege, was falsch läuft.

Und dass ich mir nicht meine Gedanken mache, was ich tun kann.

Aber zuführen will ich mir trotzdem lieber wohltuende Dinge, nährende Dinge.

Es passt besonders schön jetzt in die Herbst-Winter-Zeit.

Machst du dir deinen Alltag, deine Wohnung schön? Erlaubst du dir „kindliche“ Freude?

 

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