Und glaub mir, ich schreibe aus eigener Erfahrung.
15 Jahre im Kokon: Wenn Ruhe zur Sackgasse wird
Ich hatte nach meinem Burnout 15 Jahre Ruhe und Rückzug. 2008 war mein Zusammenbruch, direkt in der Praxis meiner Hausärztin. Es war das Ende einer langen Kette: Jahre voller Fremdbestimmtheit, Fahrpläne, Dienstpläne. Die Folge: Rheumatische Beschwerden und Magenschmerzen, die mich schon seit der Grundschule begleiteten. Burnout. Unhaltbarer Weinkrampf. Mein Körper hat damals, als ich 31 war, einfach den Stecker gezogen.
Die Jahre danach waren geprägt von Schonung. Ich dachte, ich müsste mein Nervensystem vor der Welt schützen. Aber hier ist die Wahrheit, die ich am eigenen Leibe erfahren durfte: Man kann sich auch „kaputt-ausruhen“.
Wenn wir zu lange im Rückzug bleiben, wird unser Fenster der Toleranz (Window of Tolerance) immer kleiner. Die Welt da draußen wirkt nicht mehr einladend, sondern nur noch bedrohlich.
Die Wende: Das Leben wieder „reinlassen“
2022 fing ich an, das Leben wieder reinzulassen. Nicht mit Druck, sondern in Räumen, in denen ich sicher war, ganz ich selbst zu sein – zum Beispiel in Retreats.
Dort durfte ich die Erfahrung machen: Heilung bedeutet nicht die Abwesenheit von Reizen. Heilung bedeutet die Wiederentdeckung meiner Kapazität, mit Reizen umzugehen.
Warum „mehr Ruhe“ dein Wachstum blockiert
Wir suchen oft nach Balance. Aber Vorsicht:
Stagnation ist keine Regulation. Ein reguliertes Nervensystem ist nicht starr, sondern flexibel. Es kann hochfahren, wenn das Leben nach Aktion verlangt, und wieder runterfahren, wenn die Ruhephase des Zyklus kommt.
Wachstum brauchen einen gewissen Grad an (positiv besetztem) Stress. Sichere Expansion. Wenn du immer nur im Ruhe-Modus bleibst, findet keine neue neuronale Verknüpfung statt.
Die Angst vor dem alten Schmerz ist da und „verhärtet“ sich. Dann verwechselt dein System Aufregung mit Gefahr. 15 Jahre lang hat mein Nervensystem „Gefahr!“ geschrien, sobald mein Puls stieg. Ich musste lernen, dass Herzklopfen auch Vorfreude sein kann. Sie haben genau die selben hormonellen Vorgänge im Körper!
Du brauchst nicht mehr Stille. Du brauchst die Erfahrung, dass du die Wellen des Lebens reiten kannst, ohne darin zu ertrinken.
Comeback: Als die Bühne „bebte“ (und mein Kreislauf auch)
2025 bin ich einen riesigen Schritt gegangen: Ich ging zurück in meinen Chor. 100 Mitwirkende, eine Rockband, eine massive Lichtshow und mehrere Liveauftritte. Ich hatte zehn Jahre Pause. Zehn Jahre, in denen mein System gelernt hatte, dass Lautstärke und Menschenmengen eher „Gefahr“ bedeuten.
Dann kam die Konzerttour: Drei Auftritte an drei Abenden.
Mitten im Set passierte das, wovor ich mich all die Jahre im Rückzug geschützt hatte: Mein Kreislauf machte schlapp. Während die Band spielte, das Licht flackerte, das Publikum alles sah, stand ich auf dem Bühnenpodest und suchte panisch nach dem Fluchtweg. Dieses Bangen, das Gefühl, gleich wegzusacken – es war unangenehm, es war beängstigend, es war das Gegenteil von „sicher“.
Und doch war es im Nachhinein einer der wichtigsten Momente meines Wachstums. Diese Erfahrung hat mir gezeigt:
Auch wenn mein Körper rebelliert, stürzt die Welt nicht ein.
Ich bin aufgefangen: Da waren sofort Menschen, die mich gesehen, geführt und in Empfang genommen haben.
Ich wurde bestens umsorgt.
Genau das ist der Punkt, den wir oft missverstehen:
Sicherheit für das Nervensystem entsteht nicht durch die Abwesenheit von Herausforderungen, sondern durch die Erfahrung, dass wir sie überstehen.
So gewöhnst du dein Nervensystem behutsam wieder ans Leben
Bei dir selbst bist du sicher.
Die ultimative Sicherheit liegt nicht im Außen. Sie liegt in dir.
Es geht nicht darum, sich kopfüber in Situationen zu stürzen, die uns retraumatisieren. Es geht um eine neue Form der Achtsamkeit:
Nie wieder Verrat an dir selbst.
Achte bestens auf deine Bedürfnisse. Das ist das Fundament. Wenn dein Körper „Stopp“ sagt, dann ist das kein Versagen, sondern Kommunikation.
Nimm sie wahr. Ohne Bewertung. Ohne das Gefühl, „schwach“ zu sein, weil du gerade nicht so funktionierst, wie die Welt es erwartet.
Und taste dich trotzdem voran.
Wir ehren unsere Grenzen, aber wir lassen nicht zu, dass sie zu Gefängnismauern werden. Heilung bedeutet, zu wissen, dass du dich auf dich selbst verlassen kannst. Während du nach den Sternen greifst.
Nimm jedes Erlebnis als Spiel, als Experiment.
Was wäre, wenn wir aufhören, jede Situation als Prüfung zu sehen, die wir bestehen müssen?
Nimm jedes Erlebnis stattdessen als Spiel, als Experiment.
Sieh es als eine Challenge – aber von der guten Art. Die Art, bei der es kein „Falsch“ gibt, sondern nur Erkenntnisse. Wenn du dich hinauswagst, dann sammelst du Beweise.
Sammle deine Beweise
Jedes Erlebnis vom Draußensein, das du meisterst, wandert direkt in deine imaginäre Schatztruhe.
„Ich war da.“ „Ich habe mich gezeigt.“ „Mir ist nichts passiert.“ „Ich werde gehalten.“
Jeder dieser Momente ist eine Kostbarkeit. Du bist wieder ein Stück gewachsen. Weil dein Vertrauen in dich selbst und in deine Um-welt stärker geworden ist.
Dein Nervensystem braucht nicht mehr Isolation. Es braucht die spielerische Gewissheit, dass die Welt ein Ort ist, an dem du sicher experimentieren kannst.
Sei gefasst darauf:
Dein Ego wird dir etwas ganz anderes sagen.
Und das ist vielleicht die größte Hürde: Es wird sich so verdammt wahr anfühlen. Bedrohlich.
Doch hier ist das Geheimnis: Dein Ego – Verstand – ist nur ein Geschichtenerzähler.
Es ist die Stimme in deinem Kopf, die versucht, dich klein zu halten, um dich zu „beschützen“.
Diese Geschichten stammen oft gar nicht von dir selbst. Sie stammen vielleicht von deinen Eltern, von den Erwartungen der Gesellschaft oder den Schreckensmeldungen der Medien. Es sind alte Programme, die auf Wiederholung laufen.
Ego ist nicht die Wahrheit.
Nur weil ein Gedanke laut ist und Angst auslöst, bedeutet das nicht, dass er recht hat. Das Ego will die Kontrolle, aber deine Seele will das Wachstum. Wenn du lernst, diese Stimme als das zu entlarven, was sie ist – ein ängstlicher Erzähler alter Geschichten –, gewinnst du die Freiheit zurück, trotzdem den nächsten Schritt zu gehen.
-> Artikel: „5 unbequeme Dinge, die passieren, wenn du deinen Traum lebst – und wie wir trotzdem unseren Weg gehen.“
Hier ist die wichtigste Zusage, die du dir selbst geben darfst, während du deine Schatztruhe füllst:
Du darfst jederzeit wieder zurück in deine Höhle.
Wachstum ist keine Einbahnstraße und kein linearer Aufstieg. Es ist ein Vor und Zurück, ein Ein- und Ausatmen. Wenn es da draußen zu laut wird, wenn das Ego zu grell schreit oder dein System signalisiert, dass das Experiment für heute reicht:
Geh zurück.
- Vorübergehend. Nicht für die nächsten 15 Jahre, sondern für den Moment.
- Zum Durchatmen. Um den Herzschlag zu beruhigen.
- Zum Erholen. Um die neuen Eindrücke zu verarbeiten.
Das Wichtigste dabei ist: Dafür brauchst du dich nicht zu verurteilen. Manchmal ist es okay, das Ego zu durchschauen, aber trotzdem einfach nur kurz zurück ins Bett zu gehen.
Sich zurückzuziehen, wenn die Kapazität erschöpft ist, ist kein Rückschritt – es ist weise Selbstführung.
In der Natur ist es doch genau so, dass auf jede Phase der Sichtbarkeit eine Phase der Einkehr folgen muss. Die Höhle ist jetzt kein Gefängnis mehr, sie ist deine Aufladestation.
Du hast die Kontrolle. Du entscheidest, wann du die Tür öffnest und wann du sie sanft hinter dir schließt.
Wenn wir immer nur im Schongang bleiben, lernen wir nie, dass wir ein Sicherheitsnetz haben. Mein Kreislaufkollaps auf der Bühne war keine Niederlage – er war die Bestätigung, dass ich wieder am Leben teilnehme. Und dass das Leben mich hält, selbst wenn ich mal von der Bühne muss.
Je öfter dein Nervensystem die Erfahrung macht, dass du auch im Leben sicher bist, umso mehr wirst du wachsen.
Bei dir selbst bist du sicher. Und genau aus dieser inneren Sicherheit heraus darfst du beginnen, das Leben wieder in all seiner Lautstärke, seinem Licht und seiner Intensität reinzulassen. Schritt für Schritt.
So richtest du dir deinen Wunsch-Alltag ein, der deinem Nervensystem und deinem Ego gefallen wird.
Einen Alltag, in dem du dich geborgen fühlst, aber auch wächst. Ein Slow Life, getragen von einem kleinen Cozy Biz. Es startet mit deiner Wahrheit und deinen entsprechenden Entscheidungen:
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